Tägliche Andacht
 
 
30.05.2020
Gotteser-Fahr-ung
 
 
Gerade und trotz Corona schwinge ich mich bei schönem Wetter möglichst oft auf mein Fahrrad, um den Körper zu bewegen und mir die gute ammerländer Luft um die Nase wehen zu lassen. Diese einsamen Touren fordern ein Nachsinnen über unser Dasein  geradezu heraus. Und dann kommen auch  Gefühle wieder hoch, welche man schon verloren glaubte. Die gleichmäßige Bewegung des Körpers lässt die Unruhe vergehen und sorgt für den geistigen Ausgleich. Ich sehe die schöne Landschaft langsam an mir vorüberziehen, sehe traumhafte Häuser, aber auch Ruinen. Sehe Wohnstätten an Ecken, wo ich sie nie vermutet hätte. Die Rinder auf den Weiden, die Pferde mit ihrem Nachwuchs, Landwirte auf den Feldern bei der Arbeit, eine Natur im jährlichen Aufbruch und Wechsel. Es erinnert aber auch an die Endlichkeit unseres irdischen Seins. Immer ist es eine Expedition ins Ungewisse, eine Fahrt durch wunderschöne Alleen, welche scheinbar ins Nichts führen. Das fordert die mobile Meditation. Zum Beispiel auch über unsere Kirche.
 
Die Mitgliederzahlen unserer Kirchengemeinden gehen zurück. In absoluten Zahlen stellen auch die Angehörigen unserer Edewechter Kirchengemeinde nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung. Das ist ein schon länger anhaltender bundesweiter Trend. Der wird sich wohl auch in Zukunft so fortsetzen. In diversen Gremien unserer Kirche wird schon länger über die Folgen diskutiert. Diese Entwicklung lässt sich vermutlich auch vorerst nicht aufhalten.
Vielleicht aber kann der Austretende nur mit dem geistlichen Angebot nichts mehr anfangen. Vielleicht fühlt er sich seiner Kirche nicht mehr verstanden oder wahrgenommen.
 
Möglicherweise gefällt ihm die angebotene Gottesdienstform nicht. Ganz sicher wird nicht jeder, welcher die Kirche verlässt, automatisch zum Atheisten. Vielleicht findet sie oder er bei einer anderen Glaubensgemeinschaft das, was er sucht.
 
Es gibt auch den Spruch, wenn ich beten will, dann gehe ich in den Wald. Habe ich in meiner Jugendzeit öfters zu hören bekommen. Macht sicher auch der eine oder andere. Es wurde in dieser Andachtsreihe doch schon angeführt, dass nur ein Viertel aller Menschen überhaupt nicht beten. Alle anderen tun es mehr oder auch weniger intensiv. Sehen sich also für unseren Gott erreichbar.
 
In der offenen Sommerkirche können wir immer wieder erleben, dass sich Menschen in die Bankreihe setzen und einfach nur schweigen. Oft auch sehr lange. Sie erfahren dann vielleicht eine Gottesnähe, die sie im lauten Alltagsleben nicht empfinden können. Zur Ruhe kommen, die Gedanken laufen lassen. Dabei eventuell auch einen geistigen Fingerzeig erhalten? Alles kann und nichts muss. Wir sollten alle auch über die verschiedensten Möglichkeiten einer Gotteserfahrung nachdenken. Eine so ausgelebte Spiritualität hat vielleicht mit der "Amtskirche" nicht so viel zu tun, sie ist aber präsent und sie ist  wichtig. Und deshalb werde ich speziell beim Rad fahren zur Meditation, also auch zum Beten, geradezu herausgefordert. Und ich glaube fest daran, dass ich mit solchen Gefühlen nicht der Einzige bin.
 
Und deshalb werde ich auch zukünftig weiter in die Pedalen steigen, solange mir das überhaupt möglich ist. Eine schönere Gotteserfahrung kann es – für mich – eigentlich kaum geben.
 
Eberhard Geier, Lektor aus Edewecht
 
ins Niederdeutsche übertragen von
Annegret Peters / Hude
 
 
Gotteser-Fahr-ung
 
Just nu un trotz Corona sett ik mi bi moijet Weder so faken as dat geiht op mien Fahrrad, um mienen Körper in Gang to holen un mi de gode ammerlänner Luft um de Nees weihen to laten. Op düsse eensamen Touren kummt een dor gor nich umto, över dat Leven natodenken. Un denn kaamt ok Geföhlen woller hooch, von de een meent, dat se al lang verloren weern. De beständig glieke Bewegung von mienen Körper lett de Unroh vergahn un sörgt för den geistigen Utgliek. Ik seh de moije Gegend langsam an mi vörbitrecken, ik seh Hüüs, so moi as een Droom, aver ok Ruinen. Ik seh Wahnstätten an Ecken, wo ik dat nich vermoden weer. De Keu op de Wischen, de Peer mir ehre Fohlen, Buern op de Felder bi de Arbeidt, de Natur in ehren ständigen jährlichen Wessel. Dat lett een aver ok an de Endlichkeid von us Leven op de Eer denken. Jümmer is dat een Expedition in ´t Ungewisse, een Fahrt dör wunnerbare Alleen, de schienbar in ´t Nix gaht. Dat föddert de mobile Meditation. To ´n Bispill ok över use Kark.
 
De Tallen von de Littmaten in use Karkengemenen gaht torügg. In afslute Tallen stellt ok de Littmaten in use Edewechter Karkengemeen nich mehr de Mehrheid von de Bevölkerung. Dat is een bundeswieten Trend, de al länger anhöllt. Dat warrt woll ok in Tokunft so wieter gahn. In vele Gremien in use Kark warrt al lang över de Folgen diskuteert. Düsse Entwicklung lett sik as dat utsüht ok eerst mal nich opholen.
 
Villicht kann een Minsch de ut de Kark uttreden will ok blots nix mehr mit dat geistige Angebott anfangen. Villicht hett he dat Geföhl, dat he in siene Kark nich mehr verstahn oder gor nich mehr wahrnahmen warrt. Mag ween un em gefallt de Aart von den Gottsdeenst nich mehr. Seker warrt nich jeder, de de Kark verlett foors to een Atheisten. Villicht finndt he in een anner Glovensgemeenschop  dat, wat he söcht.
 
Dat gifft ok den Spröök, wenn ik beden will, denn gah ik in ´n Woold. Dat hebb ik in miene Jugend faken to hörn kregen. Dat maakt seker ok de een oder anner. Dat wurr in düsse Andachtsreeg doch ok al mal seggt, dat blots een Veerdel von alle Minschen överhaupt nich beden doot. All de annern maakt dat, mehr oder minner intensiv. De meent also, dat Gott se noch bikamen kann. In de open Sommerkark köönt wi jümmer woller beleven, dat sik Minschen in de Karkenbank sett un eenfach blots swiegt. Faken ok bannig lang. Villicht erfahrt se denn de Neegde von Gott, de se in den luten Alldag nich föhlen köönt. To Roh kamen, de Gedanken lopen laten. Dorbi eventuell ok een geistigen Wink kriegen? Allens kann un nix mutt. Wi schullen all ok över de verscheden Mööglichkeiten von een Gotteserfahrung nadenken. So een besünnere Aart von Spiritualität hett villicht mit de „Amtskirche“ nich so veel to doon, se is aver präsent un se is wichtig. Un dorum warr ik speziell bi ´t Rad föhrn to Meditation, also ok to ´n Beden, reinweg rutfoddert. Un ik glööv fast doran, dat ik mit socke Geföhlen nich de Eenzige bün.   
 
Un dorum warr ik ok in Tokunft wieter in de Pedalen pedden, solang mi dat överhaupt mööglich is. Eene betere Gotteserfahrung kann dat– för mi –egens kuum geven.
 
 
29.05.2020
 
 
Segenswege
 
Lk 24, 52-53, Herrnhuter Losungen:
Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem
mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. - So endet das Lukasevangelium. Und so beginnt alles ganz neu – mit dem Glauben, mit der christlichen Gemeinde, mit der Hoffnung, die stärker ist als der Tod.
Himmelfahrt liegt hinter den Jüngern, Pfingsten vor ihnen. Noch wissen sie nicht von der Gabe des Heiligen Geistes, von der brausenden Begeisterung, die sie erfassen wird.
Aber sie singen schon ein neues Lied! Jesus lebt. Er ist auferstanden. Er hat sie gesegnet.
 
Als Gesegnete des Herrn gehen sie zurück in den Alltag, zurück nach Jerusalem, dem Ort der Kreuzigung Jesu. Und dort feiern sie Gottesdienste und preisen Gott.
 
Ein neues Lied hat sich in ihre Herzen und Sinne gesungen.
Es ist das Lied von Gottes Geist, der verwandeln kann.
 
Es ist das Lied, das von der Fülle erzählt, die Gott uns schenkt, ein geistliches Lied - durch das der Himmel für einen Moment aufbrechen kann und Gottes Nähe spüren lässt.
 
Etwas ist neu geworden: die Gewissheit, dass Gott auch da ist, wo sie ihn nicht vermuten, im Leiden, in der Not, im Zweifel, in der Angst. Denn im Leiden erkennen sie nun die Gesichtszüge Jesu am Kreuz, die Gesichtszüge Gottes, der nicht kneift, wenn es schwierig wird. Gott hält mit aus. Gott bleibt da, auch in der dunkelsten Nacht. Und er hilft hindurch!
Ein Loblied für Gott, auch in schweren Zeiten – das geht nur, weil Gottes Geist in uns singt und betet.
 
Auch wir sind Gesegnete des Herrn – bei der Taufe und der Konfirmation persönlich und mit Handauflegung, am Ende jedes Gottesdienstes immer wieder neu. Auch wir können als Gesegnete in unseren Alltag gehen, sogar in den Alltag, der gerade so sehr von Corona geprägt ist.
 
Das österliche Lob gilt auch hier. Auch hier erinnert es uns an die Fülle, die Gott uns schenkt, an die Gemeinschaft, die auch trägt, wenn wir Abstand halten müssen. Gottes Lob kann uns immer neu zu vertrauen und zu hoffen helfen.
 
Interessanterweise stellt Jesus besonders die Kleinen und die Geringen in den Vordergrund, wenn es um Vertrauen und Hoffnung geht. Nicht nur, dass Gott sich ein Lob aus dem Munde der Kinder und Säuglinge bereitet hat – die Kleinen sind es, durch die er in besonderer Weise die Erneuerung der Welt schaffen will. Gott ist dabei, wo Menschen sich das Evangelium zu Herzen nehmen, auch wenn sie in den Augen der Welt ganz unbedeutend sind.
Das Lob Gottes schafft eine Umkehrung der Werte, ein Umdenken in der Welt, ein neues Lied von Gottes Liebe und Versöhnung! Und manchmal sind es gerade die Notzeiten, die solch ein Umdenken bewirken.
 
Die Jünger singen gemeinsam das neue Lied, schon bevor sie Pfingsten feiern können. Es verbindet sie. Es erinnert sie an den gemeinsamen Glauben und bestärkt sie darin. Es macht sie stark, trotz ihrer Angst und hinter verschlossenen Türen zu glauben, sich gegenseitig in Gebet, Wort und Tat beizustehen. Sie vertrauen darauf: „Ich bin gesegnet.“
 
Die Zusage, die uns seit unserer Taufe gilt, heißt: „Du bist gesegnet! Du bist ein Kind Gottes! Du kannst einstimmen in das neue Lied von Gottes Liebe und Nähe, die stärker sind als alles, was uns beschwert oder ängstigt. Denn Gott ist mit dir, wo immer du bist.“
 
Bleiben Sie behütet!
Dorothea Herbst, Pastorin im Kirchenkreis Ammerland
 
ins Niederdeutsche übertragen von
Annegret Peters / Hude
 
Lk 24, 52-53, Herrnhuter Losungen:
Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.
 
So geiht dat Lukasevangelium to Enn. Un so fangt allens ganz nee woller an – mit den Gloven, mit de christliche Gemeen, mit de Hapen, de stärker is as de Doot.
 
Himmelfahrt liggt achter de Jünger, Pingsten för se. Se weet noch nix von de Gaav von de Hilligen Geist, von de grode Begeisterung, de se tofaten kriegen warrt. Aver se singt al een nee´et Leed! Jesus leevt. He is operstahn. He hett se sienen Segen geven. Mit den Segen von Gott gaht se torügg in den Alldag, torügg na Jerusalem, den Oort an den Jesus an ´t Krüüz slaan wurr. Un dor fiert se Gottsdeensten un priest Gott.
 
Een nee´et Leed hett sik in ehre Harten un Sinne sungen.
Dat is dat Leed von den Geist Gottes, de verwanneln kann.
Dat is dat Leed, dat von de Fülle vertellt, de Gott us schenken deit, een geistlichet Leed – dör dat de Heven för eene Momang opbreken kann un Gottes Nähe spören lett. 
 
Dor is wat nee wurrn: de Gewissheid, dat Gott ok dor is, wo se em nicht vermoden doot, in`t Lieden, in de Nood, in ´n Twiefel, wenn se Bang sünd. Denn in ´t Lieden warrt se nu dat Antlitz von Jesus an  ´t Krüüz gewahr, dat Antlitz von Gott, de nich kniepen deit, wenn dat stuur warrt. Gott höllt mit ut. Gott blifft dor, ok in de düüstere Nacht. Un he hölpt dor dör to gahn!
 
Een Leed vull Loff för Gott, ok in sture Tieden – dat geiht blots, wiel he in us singen un beden deit.
 
Ok us hett Gott sienen Segen geven – bi de Dööp un de Kumfermation persönlich un mit Handopleggen, am Enn von elkeen Gottsdeenst jümmer woller nee. Ok wi köönt as Gesegnete in usen Alldag gahn, de just so bannig von Corona prägt is.
 
Dat österliche Loff gellt ok hier. Ok hier köönt wi us op de Fülle besinnen, de Gott us schenken deit, an de Gemeenschop, de ok höllt, wenn wi Afstand holen mööt. Gottes Loff kann us jümmer woller hölpen, nee to vertroen un to hapen. Dat is interessant, dat Jesus besünners de Lütten un de Geringen na vörn stellt, wenn dat um Vertroen un Hapen geiht. Nich blots, dat Gott sik - as de achte Psalm dat seggt - een Loff ut den Mund von Kinner un Säuglinge bereitet hett – de Lütten sünd dat, dör de he in besünnere Aart un Wies een nee´e Welt schaffen will. Gott is dorbi, wo Minschen sik dat Evangelium to Harten nehmt, ok wenn se in de Ogen von de hele Welt ganz ohn Bedüden sünd. Dat Loff von Gott schafft een Umkehrung von de Weerten, een Umdenken in de Welt, een nee´et Leed von Gottes Leev un Versöhnung! Un männichmal sünd dat just Noodtieden, de so een Umdenken bewirkt.
 
De Jünger singt gemeensam dat nee´e Leed, al ehrdat se Pingsten fiern köönt. Dat verbinndt se. Se besinnt sik op den gemeensamen Gloven un dat maakt se stark dorin. Dat maakt se stark, trotzdem se Bang sünd achter tosloten Dören to gloven, sik een den annern in Gebett, Woort un Tat bitostahn. Se vertroet dorop: „Gott hett mi sienen Segen geven.“
Dat hett he us mit use Dööp versproken: „Du bist gesegnet! Du bist ein Kind Gottes! Du kannst einstimmen in das neue Lied von Gottes Liebe und Nähe, die stärker sind als alles, was uns beschwert oder ängstigt. Denn Gott ist mit dir, wo immer du bist.“
 
Bleiben Sie behütet!
 
Kirchengemeinde Elisabethfehn